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eHighway - Zurück in die Zukunft?


Erst vor kurzem hat die Bundesregierung eingeräumt, dass Deutschland die vereinbarten Klimaziele nicht einhalten wird. Um die CO2-Werte trotz gestiegenem Ausstoß, Dieselskandal und verlangsamter Energiewende dennoch in den Griff zu bekommen, gibt es milliardenschwere Förderprogramme. Eines davon stellen wir Ihnen heute vor: Den eHighway.


Der eHighway steht für den elektrifizierten Verkehr auf Autobahnen. LKW sollen dank Oberleitung weniger CO2 ausstoßen und fahren ähnlich wie einige Stadtbusse entlang einer Oberleitung, die oberhalb von Autobahnen verläuft.


Copywrite: Siemens AG

Das Testprojekt eHighway nimmt auf deutschen Autobahnen Formen an. Seit März 2018 werden in Hessen auf einem 5 Kilometer langem Abschnitt der A5 fleißig Oberleitungen gebaut. Diese sollen es Elektro-LKW ab 2019 ermöglichen via Oberleitung (ähnlich wie Straßenbahnen, nur ohne Schienen) elektrisch über die Autobahn zu fahren. Insgesamt werden laut Hessen Mobil 231 Maste aufgestellt. In jede Fahrtrichtung werden zwei Fahrdrähte gespannt mit einem positivem und negativem Pol.


Seit 2014 kooperieren Siemens und der zum Volkswagen Konzern zählende LKW-Hersteller Scania bei der Umsetzung des Projekts, welches von Siemens die Stromversorgungstechnologie für Fahrzeuge mit dem Know-How von Scania bei elektrischen Antrieben für LKW vereinen soll.


Gab es das nicht schon einmal?

Diese Frage dürfte sich so mancher beim Anblick der riesigen Oberleitungsmasten über der Fahrbahn fragen. Und zu allererst kommen einem sicherlich bei Fahrzeugen, die mit Oberleitung fahren zuerst Züge und Straßenbahnen in den Sinn. Doch auch viele Stadtbusse fahren bereits seit langem mit Oberleitung und wirkten auf den ersten Blick wenig flexibel. Doch wieso wird eine Technik, die es seit 20 Jahren gibt, auf einmal als etwas "Neues" gefeiert? Wir versuchen darauf eine Antwort zu finden.


Wie funktioniert der E-Highway?

Das eHighway System ist das gleiche, welches bereits bei Zügen eingesetzt wird. Erkennen Sensoren im Dach des LKW Fahrerhauses eine Oberleitung, werden die Abnehmer ausgefahren. Der Elektromotor wird mit Strom gespeist, gleichzeitig wird die Batterie geladen. Endet die Oberleitung - oder will ein LKW überholen - springen entweder der Akku oder der Hybridmotor mit Diesel ein.


Bevor die Lastwagen allerdings massenhaft mit Strom fahren können, muss erst ein großer Teil der Autobahnen mit der nötigen Infrastruktur, den Oberleitungen, ausgebaut werden. Siemens verweist auf Studien, die zu einer relativ großen Bandbreite kommen: Zwischen 1 Mio und 2,5 Mio Euro pro Kilometer müsste man demnach investieren, je nach örtlichen Gegebenheiten. Hinzu kommt das die Stromkabel über der Straße regelmäßig gewartet werden müssen. Auch das Oberleitungen bei frostigen Temperaturen häufig Schwierigkeiten bereiten, ist ein Faktor, den man aufgrund von drohenden Störungen und Ausfällen mit einkalkulieren muss.


Copywrite: Siemens AG

Lohnt sich die Investition in das Projekt?

Da es sich bei den eHighways in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern vorerst um Pilotprojekte handelt, wurden die Teststrecken vom Bund und der EU mit Millionen gefördert.

Doch Oberleitungen hin oder her, es bleibt die Frage, wer diese nutzen soll. Sicherlich wird es ein paar LKW geben, die mit dem neuesten Stand der Technik vom Volkswagen Konzern und seiner LKW Sparte Scania ausgerüstet sind, aber werden Speditionen tatsächlich auf teure Hybridfahrzeuge umsteigen, wo sie doch heute schon unter enormem Preisdruck leiden? Und werden Frachtkunden bereit sein, für dieses Extra zu zahlen, wo sie doch heute schon oft nicht den Güterverkehr auf der Schiene wählen, weil es günstiger ist, die Ware von A nach B per LKW zu fahren?

Fazit - Wer profitiert vom eHighway?

Kritiker bemängeln am eHighway, dass das System doch schon längst überholt sei und sich stattdessen andere Systeme in der Zukunft durchsetzen werden. Tatsächlich wird bereits in Großbritannien nach Alternativen geforscht, wie beispielsweise einer Stromautobahn, bei der Leitungen unter dem Straßenbelag verlegt werden und denn dann alle Autos, ob LKW oder PKW ähnlich einer Induktionsschleife nutzen könnten.


Das die Realisierung des Projekts erst heute zustande kommt, obwohl die Idee und die Technik bereits seit vielen Jahren im Bahn- und Busverkehr im Einsatz ist, wirft die Frage auf, ob das primäre Ziel des eHighways tatsächlich im Sinne der Nachhaltigkeit für die Umwelt geschieht, oder ob das erneute ankurbeln der (Auto)Industrie im Vordergrund steht.


Vom eHighway profitieren sowohl kurzfristig in der Testphase als auch langfristig in allererster Linie die Betreiber und Hersteller der Technologie, also Siemens und der VW Konzern. Fest steht, im Bereich Mobilität wird sich in den kommenden Jahren einiges tun müssen und auch der wachsende Frachtverkehr auf unseren Autobahnen kann nicht unendlich so weitergehen. Es wird sich zeigen wie die Technologie ankommt und ob der eHighway sich flächendeckend durchsetzen wird oder ein teures Versuchskaninchen auf Kosten der europäischen Steuerzahler bleibt.

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